Fahrerlaubnisprüfung in Deutschland argeTP21-Logo
Theoretische Fahrerlaubnispüfung


Weitere innovative Aufgabenformate

Die Theorieprüfung ist und bleibt eine Wissensprüfung. Mit ihr wird in erster Linie explizites Wissen erfasst – zum Beispiel Kenntnisse über Verkehrsregeln oder auch Wissen über angemessenes Handeln bei der Verkehrswahrnehmung. Am anderen Ende des Spektrums steht Prozesswissen, wie es in der Praktischen Prüfung demonstriert werden muss. Hier geht es um die Anwendung von Handlungsschemata und automatisierten Fähigkeiten. Solche anwendungsbereiten Handlungsschemata müssen nicht nur für die Fahrzeugführung, sondern auch für die Verkehrswahrnehmung und Gefahrenvermeidung erst mühevoll erlernt und durch Übung gefestigt werden.

Dynamische Aufgaben – mit der Möglichkeit, sich die Situationen wiederholt anzusehen und mit den klassischen Auswahlantworten – erfassen diese Kompetenzen nur zu einem gewissen Teil und sozusagen unter erleichterten Bedingungen.

Der Computer als Prüfmedium eröffnet besonders vielversprechende Möglichkeiten für die Aufgabenentwicklung mit den Inhalten Verkehrswahrnehmung und Gefahrenvermeidung.

Sogenannte „Verkehrswahrnehmungstests“ (im Englischen meist als „Hazard Perception Tests“ bezeichnet) werden international bereits als eine innovative Prüfungsform eingesetzt. Bei den dabei verwendeten Prüfungsaufgaben steht das Erkennen und Antizipieren von Gefahren anhand von konkreten Verkehrsszenarien im Vordergrund. Als Aufgabenlösung wird ein richtiges Reagieren oder eine richtige Fahrentscheidung gefordert. Dabei werden auch nichtverbale Rückmeldungen gemessen wie etwa die Zeit, die der Fahrerlaubnisbewerber benötigt, um die Entwicklung einer potentiellen Gefahrensituation zu erkennen.

Diese Formate haben somit einen stärkeren Bezug zu den erforderlichen Handlungen beim Fahren als herkömmliche Prüfungsaufgaben. So ist auch beim Fahren ein schnelles Reagieren auf die sich dynamisch verändernden Verkehrssituationen erforderlich. Eben darin unterscheiden sich beispielsweise Fahranfänger in ihrem unfallrelevanten Verhalten von erfahrenen Fahrern. Deshalb liegen die Chancen zur Verbesserung der Fahranfängervorbereitung in der stärkeren Berücksichtigung solcher fahranfängerspezifischen Defizite der Fahrkompetenz in der Ausbildung und der Prüfung.
Juni 2021